Korsettversorgung


Korsettanfertigung

Ein Beitrag von Orthomanufaktur – Zentrum für technische Orthopädie

Das Korsett ist aus einem semiflexiblen Kunststoff gemacht und wird dem Patienten sozusagen auf den Leib geschneidert. Form und Zuschnitt hängen hierbei von der Art und Weise der Wirbelsäulenkrümmung ab. Das Korsett hat die Aufgabe die Wirbelsäule über Pelotten und gegenüberliegende Freiräume in eine möglichst aufrechte und gerade Form zu bringen und somit einer Verschlechterung der Situation vorzubeugen. Die Tragezeit – normalerweise 17 bis 23 Stunden pro Tag – sowie die täglichen physiotherapeutischen Übungen nach Schroth sind wesentliche Faktoren die zum Erfolg einer Korsetttherapie beitragen.

Zu Beginn jeder Versorgung steht ein ausführliches Gespräch, in dem nicht nur besprochen wird was medizintechnisch auf den Patienten zukommt, sondern auch wie die Finanzierung geregelt wird und wie im Falle von Problemen vorgegangen werden kann. Anschließend muss die Körperform erfasst werden, um das Korsett anfertigen zu können. Viele Firmen machen hierzu einen Gipsabdruck von den Hüften bis zu den Schultern. Dieser kann durch die Enge und Hitzeentwicklung durchaus belastend sein. Anschließend wird das Gipsmodell basierend auf der Erfahrung des Technikers korrigiert und dient somit als Grundlage für das spätere Korsett.

Die orthomanufaktur beschreitet auf diesem Gebiet neue Wege und kooperiert bei der Korsettversorgung mit der Firma Ortholutions, dem weltweiten Spezialisten im Bereich der Korsettherstellung. Unter Leitung von Prof. Dr. Manuel Rigo aus Spanien, einem der angesehensten Experten im Bereich der Skoliose, sowie Mónica Villagrasa und Dino Gallo wurde eine Klassifikation erstellt, die verschiedene Skoliosetypen definiert und die jeweils optimale Gestaltung des Korsetts vorgibt. Der Abdruck erfolgt bei diesem System nicht mehr mittels Gipsabdruck, sondern es werden zuerst definierte Maße genommen. Anschließend erfolgt bei uns (zur Maßkontrolle) ein 3D-Scan des Oberkörpers. Die Modellierung erfolgt computergesteuert anhand einer großen Datenbank und basierend der Klassifizierung nach Rigo, wodurch die Korrektur des Modelles evidenzbasiert erfolgt. Durch dieses System, das in Deutschland, den USA, Skandinavien, Südafrika, etc. bereits erfolgreich und wissenschaftlich fundiert eingesetzt wird, setzt die orthomanufaktur, die dieses System als erste Orthopädietechnikfirma in Österreich anbietet, neue Maßstäbe.

Anprobe

Die erste Anprobe nimmt natürlich etwas Zeit in Anspruch. Durch das RSC-System ist es in der orthomanufaktur jedoch möglich, diese Anprobezeit von rund 6 Stunden – wie es durchaus üblich ist – auf rund 2,5 Stunden zu reduzieren, da wir das Korsett durch dieses System nahezu probefertig vorbereiten können. Das wichtigste bei der Anprobe ist zu prüfen, ob die Pelotten, welche die Wirbelsäule aufrichten sollen, richtig positioniert sind und ob der Patient im Lot steht. Ist dies geschafft, sollte das Korsett in später üblichen Alltagssituationen – sitzen am Schreibtisch, liegen, Treppensteigen, … – getestet werden, um möglichen Druckstellen vorbeugen zu können. Abschließend erfolgt eine genaue Fotodokumentation, die den Therapieverlauf belegen soll.

Angewöhnung

Da sich der Körper langsam an das Gefühl vom Korsett aufgerichtet und gestützt zu werden, gewöhnen soll, empfehlen wir, das Korsett die ersten 2 Tage nur stundenweise am Nachmittag und am Abend zu tragen. Anschließend sollte es die ganze Nacht und wiederum stundenweise am Nachmittag und Abend getragen werden. Nach 5 bis 7 Tagen muss es – je nach Vorgabe des Facharztes – bis zu 23 Stunden am Tag getragen werden. Erfahrungsgemäß gewöhnt sich der Körper schneller und problemloser an das Korsett, wenn es regelmäßig und konsequent getragen wird. Dennoch wissen alle aus dem Behandlungsteam, dass es speziell am Anfang nicht leicht ist und helfen bei Problemen gerne mit Tipps und Tricks weiter.

Kontrollen

Da sich der Körper erst an das Korsett gewöhnen muss und sich im Laufe der Tragezeit auch verändert, sind regelmäßige Kontrollen unerlässlich. Die erste Kontrolle erfolgt unter normalen Umständen eine Woche nach Abgabe des Korsetts. Nach rund 3 Wochen findet dann die nächste Kontrolle statt, bei der die Pelotten meist schon ein wenig verstärkt werden können, da die Wirbelsäule bereits flexibler geworden ist. 6 Wochen nach der Korsettabgabe erfolgt dann auf Zuweisung des betreuenden Facharztes oder in der entsprechenden Spezialambulanz ein Röntgen im Korsett, um die Korrektur und die Aufrichtung der Wirbelsäule kontrollieren zu können. Kurz vor diesem Röntgen werden die Pelotten nochmals leicht verstärkt, danach werden eventuell nötige Nachpassungen durchgeführt. Die weiteren orthopädietechnischen Kontrollen erfolgen dann im Abstand von 3 Monaten.

Abschulung

Durch spezielle Röntgenbilder – die sogenannten Risseraufnahmen – kann der Facharzt feststellen, wann das Knochenwachstum abgeschlossen ist. Dies ist dann der Moment, an dem die Abschulung angedacht werden kann. Wie bei der Angewöhnung braucht der Körper auch hierzu Zeit. Die Korsetttragezeit sollte unter Tags wöchentlich um 2 Stunden reduziert werden. In dieser Zeit sollte die Physiotherapie wieder deutlich intensiviert werden – speziell zum Muskelaufbau. Danach wird das Korsett noch für rund 3 Monate in der Nacht getragen, bevor es endgültig abgelegt werden kann.