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Mein Skoliose Weg

Hallo, ich möchte mich gerne vorstellen

Mein Name ist Anna Maria Katschnig, ich bin 35 Jahre alt und Skoliose-Betroffene. Natürlich bin ich aber so viel mehr als das. Ich würde dir hier gerne ein bisschen von mir, meiner Arbeit und von ‚meinem Weg‘, wie ich gelernt habe mit meiner Skoliose umzugehen, erzählen.

Nach der Diagnose ‚Skoliose‘ mit zwölf Jahren war gefühlt alles mit Zwängen behaftet. Für mich eine schwere und im wahrsten Sinne des Wortes ‚einengende‘ Zeit, denn mit dreizehn Jahren bekam ich aufgrund meiner fortschreitenden Skoliose ein Korsett verordnet. Gerade jetzt war es wichtig motiviert zu bleiben und täglich die Übungen zu machen, um eine mögliche Operation vorzubeugen. Doch statt Motivation empfand ich Frust, Scham und Antriebslosigkeit. In meinen Augen war ich kein normaler Teenager mehr, ich war die mit der Skoliose.

Skoliose, eine komplexe Erkrankung

Skoliose wird auf der einen Seite kaum Beachtung geschenkt. „Ach Skoliose, das hat doch jeder!“, hört man häufig. Auf der anderen Seite gibt es sehr wenig ‚Awareness‘ in der Öffentlichkeit über diese Erkrankung, die etwa 1% der Weltbevölkerung betrifft1,2.  In 90% der Fälle ist die Ursache der Skoliose unbekannt (idiopathische Skoliose). Die vielfältige Ausprägung und Unberechenbarkeit des Verlaufs der Skoliose macht diese so komplex und wirkt sich sowohl physisch als auch psychisch sehr unterschiedlich auf Betroffene aus. Bisher werden zum Großteil konservative Behandlungsmethoden eingesetzt: Physiotherapie, Korsettbehandlung, Operation.

In meinem Fall fühlte ich mich seit dem Tag, an dem meine Skoliose diagnostiziert wurde, wie in einem Film dessen Regiebuch mir nie vorgelegt wurde. Für viele Kinder und Jugendliche sowie auch Eltern ist die Konfrontation mit der Diagnose einer lebenslangen, chronischen Erkrankung bereits ein großer Schock, der häufig mit Gefühlen von Kontrollverlust und Hilflosigkeit einhergeht. Die erforderliche Disziplin, die für die Behandlungen benötigt wird, unter der drohenden Konsequenz einer Operation, kann zusätzlich enormen Druck erzeugen. In meinem Fall hatte ich manchmal regelrecht das Gefühl für meine Krankheit bestraft zu werden. Ich fühlte mich nicht gehört, nicht gesehen und machtlos. Keine guten Grundvoraussetzungen für Motivation und Therapieerfolg.

„Warum der Krankheit nicht verspielt und mit Leichtigkeit begegnen? Warum aus dem „müssen“ nicht ein „wollen“ machen?“

Mein Weg mit der Skoliose umzugehen

Vor etwa drei Jahren begann ich mich intensiver mit Coaching und Psychotherapie auseinanderzusetzen. Dabei kamen in mir immer wieder Gefühle aus meiner Jugend und der Zeit mit dem Korsett hoch. Die Themen Enge, Freiheit und Selbstbestimmtheit begleiten mich seitdem intensiv. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Themen habe ich für mich so vieles erkannt, das bahnbrechend war auf meinem weiteren privaten sowie beruflichen Lebensweg. Zusätzlich haben mir meine regelmäßige Yogapraxis und die Ausbildung zur Yogalehrerin einen besseren Umgang mit meinem Körper und meiner Skoliose ermöglicht.

Durch die regelmäßige Praxis habe ich ein enorm gesteigertes Körperbewusstsein, habe Spaß and der Bewegung und meine Wirbelsäule fühlt sich gesünder und beweglicher an. Meine Schmerzen sind stark zurückgegangen und ich fühle mich körperlich fitter als so mancher ohne Skoliose in meinem Alter. Yoga ist für mich so viel mehr als nur ein Hobby oder „Therapie“. Für mich bedeutet Yoga: Freiheit, Spaß an Bewegung, Liebe zum eigenen Körper- sich um ihn kümmern und sich von ihm immer wieder aufs Neue überraschen zu lassen.

Worum es mir geht

„Mein Wunsch ist es meine eigene Geschichte und vor allem auch das was mir persönlich geholfen hat, an Betroffene weiterzugeben.“

Aufgrund meiner persönlichen Geschichte und meines Wunsches die Behandlungsmöglichkeiten für Skoliose-Betroffene weiter auszubauen und spielerischer zu gestalten, möchte ich das Pilotprojekt „Mein Skoliose Weg“ ins Leben rufen. Das Projekt soll als zusätzliche Unterstützung zur Bewältigung des Alltags mit Skoliose sowie als Begleitung für die regelmäßigen Verlaufskontrollen und physiotherapeutischen Maßnahmen dienen.

„Mein Ziel ist es mithilfe von Coachingtechniken und Yoga zusätzlich Unterstützung bei der psychischen, aber auch physischen Bewältigung von Skoliose zu bieten.“

Besonders am Herzen liegt mir dabei die Ent-Tabuisierung von Skoliose und den damit einhergehenden Emotionen und Ängsten. Jeder darf sich so fühlen wie er/sie sich eben fühlt und das auch aussprechen. Niemand muss (immer) stark sein oder kann stets motiviert sein. Meiner Meinung nach ist der ehrliche Umgang mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen der Grundstein für einen gesunden Umgang mit der Skoliose auf allen Ebenen- Körper und Geist.

Ich möchte motivieren, durch Coaching helfen, dass Betroffene gesehen und gehört werden und mit ihnen an ihren Blockaden und Ängsten arbeiten. Coaching ist dabei aber nicht als Psychotherapie zu verstehen, sondern gibt dir viel mehr die Werkzeuge um deine eigenen Lösungen zu finden. Durch meinen wissenschaftliches Hintergrundwissen kann ich zudem dabei unterstützen Skoliose besser zu verstehen und ‚Awareness‘ in dem Bereich zu schaffen.

„Über Yoga, Meditationen und Atemtechniken möchte ich Betroffenen helfen ins Spüren zu kommen- den eigenen Körper und seine Signale besser wahrzunehmen und anzunehmen.“

Über das Pilotprojekt „Mein Skoliose Weg

Für ein das Pilotprojekt „Mein Skoliose Weg“ suche ich daher 4 Skoliose-Betroffene ab 18 Jahren für ein etwa 3-wöchiges Programm bestehend aus Einzel- und Gruppencoachings. Das Programm umfasst insgesamt ca 8 Stunden. Ein etwa einstündiges Erstgespräch zur Besprechung der Teilnahmebedingungen und Evaluierung der Situation. In den Einzelcoachings (2 Sessions à 60 min) wird auf individuelle Ängste und Blockaden im Zusammenhang mit der Erkrankung eingegangen, um den Grundstein für die persönliche Motivation zu legen. In den Gruppencoachingstunden (2×2 Sessions à 60 min) kann ein Erfahrungsaustausch sowie ein spielerisches Integrieren der neuen Erkenntnisse ermöglicht werden.

Zudem arbeiten wir auch auf körperlicher Ebene mit Atemübungen und leichten Yoga-Übungen um Stress und Anspannung zu reduzieren sowie voll ins Spüren der eigenen Lösungen zu kommen. Start ist Jänner/ Februar 2022 (Terminvereinbarung vorab), je nach COVID-19 Lage live im Raum Graz oder online per ZOOM. Am Ende des Projektes findet ein etwa 1-stündiges Feedback und Abschlussgespräch statt. Achtung: das Projekt ist weder Psychotherapie noch Physiotherapie.

Wenn du Interesse hast bei dem Pilotprojekt „Mein Skoliose-Weg“ dabei zu sein melde dich gerne bei mir für ein unverbindliches Kennenlerngespräch. Deine Teilnahme bei dem Projekt erfordert den Abschluss eines Coachingvertrages sowie die Bereitschaft zu Feedback an unterschiedlichen Punkten des Projektes. Für die Teilnahme beim Projekt bitte ich dich außerdem um eine Spende an eine wohltätige Organisation deiner Wahl (Betrag ab 20 Euro möglich).

Das Projekt soll den Grundstein für verbesserten Umgang mit dem Thema Skoliose legen sowie eine zusätzliche Unterstützung zu den physiotherapeutischen Behandlungen bieten. Mit dem Projekt möchte ich in weiterer Folge das soziale Bewusstsein rund um das Thema Skoliose verbessern. Es ist daher auch geplant die Ergebnisse aus dem Projekt und dem Feedback der Teilnehmer (anonym, keine vertraulichen Inhalte) zu nutzen um mehr ‚Awareness‘ zu schaffen.

„Mein Skoliose-Weg“ steht für einen authentischen Umgang mit den eigenen Emotionen im Bezug auf deine Skoliose, für das Finden von neuer Motivation durch die Auseinandersetzung mit den tiefliegenden Blockaden und Ängsten und für das Erlernen eines neuen Körperbewusstseins.“

Ich würde mich freuen von dir zu hören,

Deine Anna

<strong>Anna Maria Katschnig, PhD</strong>
Anna Maria Katschnig, PhD

Biochemikerin – Yogalehrerin (200h YTT) – Business-CoachIN in Ausbildung (ACTP/ICF)

E-Mail: annakatschnig@gmail.com
Mobil: +43 650 3909510

Autor: Anna Maria Katschnig; Erstellt am 28.11.2021, Veröffentlicht durch Skoliose Netzwerk Österreich am 29.11.21

Quellenangabe: 1    Willner S, Uden A: A prospective prevalence study of scoliosis in southern Sweden. Acta orthop scand 1983; 53: 233–7. MEDLINE; 2.             Carter OD, Haynes S: Prevalence rates for scoliosis in US adults: Results from the first national health and nutrition examination survey. Int. J. Epidemiol 1987; 16: 537–44. MEDLINE

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