Gesundheit, Wirbelsäule allgemein

Rückenschmerzen – Teil 1

<strong>Dr. Florian Johannes Hofmann</strong><br>Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
Dr. Florian Johannes Hofmann
Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie

Wirbelsäulenorthopädie, Wirbelsäulenchirurgie
Fußchirurgie, Manuelle Medizin

Was versteht man umgangssprachlich unter Rückenschmerzen?

Als klassische Rückenschmerzen bezeichnet man Schmerzen zwischen unterer Brustwirbelsäule und Gesäß mit oder ohne Ausstrahlung. Ausstrahlen können Rückenschmerzen u.a. in den Bauch, in die Flanke, in die Leiste und in die Beine. Nicht immer ist die Wirbelsäule die alleinige Ursache. Auch andere Gelenkserkrankungen, Erkrankungen der Bauch und Harnableitenden Organe oder psychosoziale Probleme können Schmerzen im Rücken verursachen. Darum ist eine allgemeine orthopädische Untersuchung sehr wichtig um auch andere Gelenke bzw. den ganzen Menschen beurteilen und einschätzen zu können.

Meistens ist es jedoch ein unspezifischer muskulärer/ligamentärer Schmerz durch mangelnde oder falsche Bewegung. Wichtig ist auch zwischen unspezifischen und spezifischen Rückenschmerz zu unterscheiden. Unter unspezifischen Rückenschmerzen (bis zu 85%) versteht man ohne spezielle Ursache aufgetretene Schmerzen an der Wirbelsäule mit und ohne Ausstrahlung welche sich durch eine leitliniengerechte Behandlung beim Hausarzt innerhalb von wenigen Wochen wieder zurückbilden.

Besondere Beachtung sollte man jedoch den spezifischen Rückenschmerzen schenken, denn hier liegt meist ein ernstzunehmendes Problem zu Grunde. Vor allem Rückenschmerzen nach vorausgegangenem Sturz, Tumor oder fieberhafter Erkrankung in der Vorgeschichte gehören umgehend vom Spezialisten abgeklärt. Die jedoch häufigsten spezifischen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in ein oder auch alle beide Beine sind bedingt durch eine Nervenkompression bei einem Bandscheibenvorfall oder eine knöcherne Einengung wie bei einer Spinalkanalstenose, gepaart mit Lähmungserscheinungen!

Zeitlich kann man Rückenschmerzen in akute also bis 6 Wochen, subakut von 6 bis 12 Wochen und chronischen mehr als 12 Wochen unterscheiden. Gerade bei spezifischem Schmerz ist eine rasche und professionelle Abklärung wichtig, denn die Zeit ist ein wesentlicher Faktor in der Prognose von Rückenschmerzen. Jedes Problem ist individuell zu betrachten, denn kaum ein Fall gleicht dem anderen.

Wer ist besonders betroffen und welches sind die häufigsten Beschwerden?

Einseitige Haltung wie z.B. stundenlanges Sitzen oder Computerarbeit oder negativer Stress sind hauptverantwortlich für immer wiederkehrende Rückenschmerzen. Diese führen zu einer Muskelverkürzung und einem hohen Ruhetonus der Muskulatur, welcher wiederum zu einer hohen Belastung der Bandscheiben und Gelenke führt. Eine ständige Fehlhaltung und ein Mangel an Bewegung verursacht irgendwann Beschwerden, auch wenn man subjektiv immer alles gleich macht, doch irgendwann ist das Maß voll und das Fass läuft über. Natürlich spielen auch viele andere Faktoren wie Ernährung, Stress und Psyche eine Rolle in der Entstehung oder chronischen Entwicklung von Rückenschmerzen.

Ein Grossteil der Patienten klagt über Schmerzen im unteren Rücken und noch tiefer im Bereich des Kreuzdarmbeingelenkes. Oft ist es mehr ein Ruheschmerz, bei langem Sitzen, Stehen und auch beim Liegen. Das Gefühl des „Abbrechens“ wird beschrieben. Viele dieser Schmerzen Bessern sich bei Bewegung. Die zweithäufigste Lokalisation sind Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in Schulter und Arme, oft gepaart mit Schwindel und Kopfschmerzen. Auch Schmerzen in der Brustwirbelsäule mit dem Charakter eines Messers im Rücken sind weitere Probleme die beschrieben werden.

Was sind mögliche Ursachen für immer wiederkehrende Beschwerden?

Wir haben mehr als 600 Muskeln im gesamten Körper und nutzen durchschnittlich nur 10 % des möglichen Bewegungsumfanges. Der Teil der Muskulatur den wir durch Sitzen und einseitige Bewegung im Alltag oder auch im Sport nutzen wächst, der andere größere Teil verkümmert. Es fehlt der richtige Ausgleich. Viele Glauben immer noch, dass ausschließlich das Kräftigen zu einer Besserung der Beschwerden führt, doch die verkürzte Muskulatur muss auch konsequent gedehnt werden, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Ideal wäre eine Mischung aus Dehnen, Kräftigen und Bewegen.

Lesen Sie morgen im Rückenschmerzen Teil 2 über „WAS TUN BEI RÜCKENSCHMERZEN“

Kommentar verfassen