Behandlungen, Wirbelsäule allgemein

Schröpfen – Antike Behandlung in der Moderne

Ein Beitrag von TeleReha Dr. Florian Hofmann und Physiotherapeut Philipp Zunke (05.01.2021)

In den letzten Jahren ist Schröpfen bei uns in Zentraleuropa wieder sehr beliebt geworden als Behandlungsmethode. Doch was ist Schröpfen überhaupt? Beim Schröpfen wird über Saugglocken ein Unterdruck auf die Haut und die darunter liegenden Gewebeschichten erzeugt. Die Haut wird dabei sichtbar abgehoben (siehe Beitragsbild). Hauptsächlich wird diese Methode entweder statisch auf einem lokalen Bereich oder durch Bewegungen (Schröpfkopfmassage) auf einen größeren Bereich angewandt. Die Schröpf-Methode wurde bereits in der Antike in verschiedenen Kulturen verwendet und ist auch heute noch fester Bestandteil der Traditionellen-Chinesischen-Medizin (TCM).

In Europa geriet das Schröpfen zum Teil in Vergessenheit bis bekannte Sportler wie der Olympiasieger im Schwimmen Michael Phelps die öffentliche Aufmerksamkeit wieder darauf lenkte. Denn beim Schröpfen entstehen charakteristische kreisrunde rote bis violette Flecken auf der Haut und diese waren bei den Auftritten Phelps bei den olympischen Spielen gut sichtbar. Diese “Schröpf-Kreise” sind bei der Behandlung ausdrücklich erwünscht und Teil des wahrscheinlichen Wirkmechanismus.

Gänzlich einig ist sich die Wissenschaft noch nicht, jedoch ist die gängigste Theorie, dass durch den Unterdruck ein Mangel an Sauerstoff entsteht auf den der Körper mit einer verstärkten Durchblutung und Gefäßerweiterung reagiert (Charles et al., 2019). Dadurch sollen Schadstoffe besser abtransportiert werden und Verklebungen im Bindegewebe gelöst werden. Im Zuge dieser Vorgänge kommt es zu einem geringen austreten von Blut und zum Zerreißen von kleinen Blutgefäßen weshalb sich dieser Bereich rot/violett färbt. Die Verfärbungen sind zum Glück im Normalfall völlig schmerzfrei.

Anwendung:

Das Schröpfen wird für die Reduktion von Schmerzen angewendet (Kim et al., 2018Moura et al., 2018). Beliebte Anwendungsgebiete sind der untere Rücken und der Nacken. Aber auch Arme, Schultern und Beine lassen sich damit gut behandeln. Sportler wenden diese Methode auch gerne an, um nach anstrengenden Trainingseinheiten wieder schneller einsatzfähig zu sein (Bridgett et al., 2018). Vollständige Nachweise der Wirksamkeit sind wegen mehrheitlich methodisch schlechter Studien noch nicht vorhanden, es gibt jedoch mehrere Studien zu einem positiven Einfluss des Schröpfens belegen (Bridgett et al., 2018, Kim et al., 2018Moura et al., 2018Charles et al., 2019)

Für die statische Anwendung geben sie etwas Öl auf die zu behandelte Stelle und saugen Sie die Glocke fest. Der Unterdruck sollte gut spürbar sein. Es können mehrere Saugglocken gleichzeitig verwendet werden und auch die Größe der Glocken können Sie je nach Einsatzgebiet unterschiedlich groß wählen.

  • Zeitdauer: ca. 8 min
  • Therapieintervall: alle 4-7 Tage
  • Einheiten: ca. 5 x
    (statische Anwendung)

Die dynamische Schröpfmassage behandeln wir in einem der folgenden Blogbeiträge.

Viel Spaß beim Anwenden!

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