#erzählmirwas …. Angelika


Angelika und Mama Alexandra erzählen über ihre Erfahrungen mit Skoliose, Behandlungen, Korsettversorgung, Therapien, Operation und vieles mehr …

Mein Name ist Angelika Frewein, ich bin 18 Jahre alt und komme aus dem Bezirk Murtal. Derzeit mache ich eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau. Meine Mama ist Bäuerin im eigenen Land- und Forstwirtschaftlichen Betrieb, wo auch ich tatkräftig mithelfe.

Aussage von Alexandra: Angelika ist ja auch eine talentierte Traktorfahrerin und hat bei der Heuarbeit im Juni tatkräftig mitgeholfen.

Kommen wir zur ersten Frage 🙂

In welchem Alter wurde bei dir Skoliose diagnostiziert und wer hat dies festgestellt?

Im Jahr 2015, so mit ca. 13 Jahren  hat das ganze begonnen …. Meinem Opa ist damals aufgefallen, dass mein rechtes Schulterblatt weiter raussteht als das linke. Ich bin als Kind schnell gewachsen. Es wurde dann der Hausarzt aufgesucht, der nur meinte: “Dass wächst sich schon wieder aus“. Da es aber immer schlimmer wurde mit der Skoliose haben wir nach ca. einem halben Jahr einen Orthopäden besucht. Dieser meinte: „Da kann ich machen was ich will, besser wird es sowieso nicht mehr und ab 45°/50° muss operiert werden“. Aber eine Operation war in diesem Moment für mich keine Option.

Wieviel Grad hattest du damals?

Damals 2016 hatte ich ca. 22° Krümmung nach Cobb

Was ist dir als Mama durch den Kopf gegangen?

Das wird schon wieder werden …. Das wächst sich wieder aus …. Angelika soll einfach konsequent die Übungen durchführen …… Ich wollte für Angelika keine Operation, damit ist viel Risiko verbunden.

Welche Behandlungen wurden vorgeschlagen?

Uns wurde die Skoliose Therapie nach Schroth vorgeschlagen. Ich habe anfänglich mit meiner Mama gemeinsam die Übungen zu Hause durchgeführt aber das wurde dann von Mal zu Mal weniger und die Motivation verschwand langsam  …..

Meine Therapeutin empfahl mir dann die Intensivrehabilitation in Bad Sobernheim, was sich anfänglich mit Antragstellung, Bewilligung der Sozialversicherung, etc. als sehr schwierig herausstellte. Um eine Bewilligung über die Sozialversicherung für Bad Sobernheim zu bekommen, mussten wir im KH Wien Speising vorstellig werden. Dort hatte ich dann auch meine regelmäßigen Verlaufskontrollen. Über das KH Speising wurde dann der Antrag für die Intensivrehabilitation nach Bad Sobernheim gestellt, welcher dann bewilligt wurde.

Du musstest auch ein Korsett tragen. Wie viele Jahre war das Korsett dein  Begleiter?

2016 wurde ich im  KH Wien Speising vorstellig, Untersuchungen haben stattgefunden und da stellte sich heraus, dass ich unbedingt eine Korsettversorgung benötige. Damals hatte ich 22° Krümmung nach Cobb. Tragen musste ich das Korsett bis zur Operation im Juli 2019.

Antwort Alexandra: In Wirklichkeit: „Trotz tragen des Korsetts hat sich der Zustand der Wirbelsäule schleichend verschlechtert“.

Wie ist es dir Angelika mit dem Korsett gegangen?

Also, ich hab es wirklich ungern getragen. Man schwitzt im Sommer, es ist eng, es drückt, man kann sich nicht gescheit bewegen, ja …. sehr unwohl eigentlich. Ich hab mir immer die Frage gestellt ….. warum trag ich das Korsett überhaupt. …. Mit 13 Jahren hat man das noch nicht so durchschaut, dass es eigentlich wichtig ist und auch was bringt ein Korsett zu tragen. Aber ich hab es echt ungern getragen. Beim Schlafen war es kein Problem.

Wie war die Situation mit Skoliose und Korsett in der Schule und bei Freunden?

In der Hauptschule war es sehr unangenehm. In der Fachschule hab ich von Anfang an gleich den Mitschülern erklärt, dass ich Skoliose habe und nun ein Korsett tragen muss. Wenn ihr Fragen habt, dann fragt mich bitte. Und da gab es dann keine Probleme J

Du hast mir erzählt, dass du auch auf Reha in Bad Sobernheim warst. Wie war es dort für dich?

😀 Das war eine Zeit die werde ich nie vergessen. Abgesehen davon, dass der Aufenthalt ja in Deutschland war und ich überhaupt nicht gerne hochdeutsch spreche 😀 haben die mich kaum verstanden :-D. Und bei den Therapien ….. mir ist vorgekommen … es war keine Gemeinschaft … ich war fast immer alleine unterwegs. Außer mit zwei Mädls hab ich eigentlich ganz guten Kontakt gehabt. Aber das ist mein Thema

Aber so die Therapien …. Ich hab auch oft selbst in den Therapieraum gehen müssen und die Übungen dort eigenständig durchgeführt. Das hab ich dann im Übungsheft mitgeschrieben.

Durch die Therapien hab ich eine bessere Körperhaltung bekommen und meine Muskulatur trainiert, damit sich der Zustand nicht verschlechtert.

Wo warst du die ganzen Jahre in Behandlung? Wie bist du dann zu Prim. Prof. Univ. Doz. Dr. Mag. Christian Bach gekommen?

Ich war seit 2016 in KH Wien Speising in Behandlung mit Korsettversorgung und allem Drum und Dran, Kontrollen usw…. aber in Wirklichkeit hat sich die Skoliose trotz tragen des Korsetts verschlechtert.

Es wurde ein Gespräch mit einem Chirurgen geführt, der uns dann schon für die Operation vorbereitete aber uns noch Bedenkzeit gab.

Wir holten uns eine weitere Meinung auf der Wirbelsäulenambulanz im KH Murtal – KH Stolzalpe ein. Dort wird aber speziell mein Fall nicht operiert. Sie informierten uns über  weitere Spezialisten ….OA Priv.-Doz. Dr. Vinay Saraph in Graz und Prim. Dr. Christian Bach in Feldkirch Vorarlberg.

Dann waren wir bei OA. Priv.-Doz. Dr. Vinay Saraph im LKH Graz Kinderklinik, da er eine neue Operationsmethode auch durchführe (lt.Zeitungsartikel). Aber diese neue Methode war bei mir leider nicht mehr möglich, da ich schon ausgewachsen war. Dr. Saraph hätte zwar die „normale“ Skoliose Operation durchgeführt, jedoch ohne Rippenbuckelresektion. Dies wäre eine separate Operation gewesen.

Somit haben wir schlussendlich bei Prim. Prof. Univ. Doz. Dr. Mag. Christian Bach einen Termin vereinbart. Es wurde nochmals in allen Positionen geröntgt und besprochen….. Er kam zu dem Entschluss, dass eine Operation notwendig sei – Skoliose Operation + Rippenbuckelresektion.

Deine Mama hatte letztes Jahr mit mir Kontakt aufgenommen. Dann kam es mit dir liebe Angelika zu einem persönlichen Treffen. Wie seid ihr auf mich gekommen und wie ist es dir nach dem Gespräch mit mir gegangen?

Über den Zeitungsartikel in der Kleinen Zeitung. Diesen Artikel habe ich in meiner Skoliose Mappe abgeheftet 😀

Nach dem Gespräch mit dir war ich mir voll sicher, dass ich mich operieren lasse. Ich konnte mir viel mehr vorstellen wie es einem nach einer Skoliose Operation geht, was auf einen zukommt. Sonst hätte ich gar nichts gewusst…..

Warum hast du dich für die OP entschieden?

Wir haben uns bestmöglich informiert. Mir war von Anfang an, seit ich bei Dr. Bach war klar, ich mach das, ich freute mich darauf 🙂

Meine Mama hatte eher gemischte Gefühle ….     

Wann und wo wurdest du schlussendlich operiert und wieviel Grad hattest du kurz vor der OP?

Am 04.07.2019 wurde ich von Prim. Dr. Christian Bach und Dr. Julia Wolfram im KH  Feldkirch in Vorarlberg operiert. Ich hatte über 70° Krümmung und einen ausgeprägten Rippenbuckel.

Heute, ein Jahr nach der OP ….. Wie siehst du das Ganze rückblickend? Würdest du dich nochmal operieren lassen?

Wenn es sein müsste würde ich mich nochmals operieren lassen.

Wie ist es dir liebe Alexandra, als Mama, in dieser ganzen Zeit gegangen?

Schlecht .. ganz schlecht ist es mir gegangen. Die ganzen Vorbereitungen, was braucht Angelika alles im Krankenhaus. Mit welchem Auto fahren wir nach Vorarlberg damit ich Angelika nach der Operation wieder gut mit nach Hause bringen kann.

Ich selbst hab mich für Angelika mit Bachblüten, Homöopathie, Salben, Aura Spray´s, Raumdüfte, heilende Musik, usw. beschäftigt/auseinandergesetzt.

Ich war vor der Operation mit Angelika auch bei einer Kinesiologin und einem Homöopathen.

Wir sind eigentlich Mental, Psychisch und Physisch gut vorbereitet und gestärkt nach Vorarlberg zur Operation gefahren. 

Der Tag wo Angelika dann operiert wurde, war Horror, ich war fertig.

Ich ging dann in die Kirche. Mein Partner hat mich in dieser Zeit unterstützt sowie auch meine Schwester war für mich da und ist nach Feldkirch nachgereist.

Um 17 Uhr kam dann der erlösende Anruf von Fr. Dr. Julia Wolfram. Angelika hat die Operation gut überstanden. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen ……  Es war ein unglaubliches Glücksgefühl.

Hast du dich die ganzen Jahre medizinische sowie auch therapeutisch gut informiert und aufgehoben gefühlt oder hat dir etwas gefehlt? Gab es Herausforderungen oder lief alles wie am Schnürchen?

Ich hätte mir schon gewünscht, dass man mehr Informationen bekommt wie zum Beispiel wo gibt es Skoliose Spezialisten, wo überall wird Skoliose operiert, Namen von den Ärzten, Therapeuten, etc….

Aufgrund deines Zeitungsartikels im Mai 2019 in der Kleinen Zeitung sind wir auf dich aufmerksam geworden. Und das persönliche Treffen mit dir Daniela war auch wichtig, war nochmals eine Bestätigung, hat wirklich gut getan 😀

Kurz noch zu den Therapien….. Welche Therapien wurden dir jetzt nach der OP empfohlen? 

Nach der OP war Schonung angesagt. Ein halbes Jahr postoperativ keine Massagen, keine Drehbewegungen, keine Physiotherapie ….

Ich war nach der Schonzeit auf Reha in Baden bei Wien. Es hat mir dort sehr gut gefallen. Da hatte ich meinen fixen Ablauf und Therapieplan.

Sport mach ich eher weniger. Aber möchte in Zukunft mit meinen Freund gemeinsam Sport betreiben, Laufen gehen, usw.

Hast du Einschränkungen durch die OP?

Am Anfang hat man schon gemerkt, dass man an der Wirbelsäule operiert wurde. Aber jetzt ….. ich hab eine gute Haltung *lach*

Du hast jetzt einen Freund. Wie geht er mit der Situation – Wirbelsäule versteift – um?

Er meint ….. Die Operation hat ja nicht meinen Charakter verändert. Er unterstützt mich in jeder Hinsicht.

So, zu guter Letzt …. Was gibst du liebe Angelika, Skoliose Betroffenen mit auf den Weg? Ratschläge, Tipps, Motivierender Spruch …. What ever 

Stark bleiben!

Wenn es zu einer Operation kommen sollte muss man es unbedingt auch selbst wollen. Nicht von anderen zB Eltern, Freunde, etc. zur Operation drängen lassen. Man muss es von sich aus wollen.

Wenn man sich, aus was für einen Grund auch immer, nicht operieren lassen möchte, dann sollte man wenigstens auf den Muskelaufbau achten, regelmäßig Sport betreiben, Physiotherapie, etc.

Wenn wer weitere Fragen an mich hat, kann sich jederzeit gerne über Daniela an mich wenden 🙂

Und was gibst du Alexandra als Mama, betroffenen Eltern mit auf den Weg?

Das ist schwierig. Jede Mama gibt ihr Bestes. Gottes Vertrauen und den Optimismus das alles wieder gut wird. Schauen das man sich selbst stärkt und aufbaut damit man die Kraft dem Kind weitergeben kann. Einfach DA SEIN und gut zureden.

Danke für das Interview Angelika und Alexandra! 

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