Skoliose & Physiotherapie


Ein Beitrag von Dr. Gerd M. Ivanic -Privatklinik Graz Ragnitz

Warum die Skoliose behandeln?

1.) Unter dem Fortschreiten einer Skoliose kann es vermehrt zu kardiopulmonalen Problemen kommen.
2.) Biomechanische Probleme der Wirbelsäule entstehen durch eine nicht physiologische Belastung derselben. Dies führt zu einer früheren Degeneration mit entsprechenden Beschwerden.
3.) Zunehmende Verschlechterung der Kosmetik.
4.) Auf Grund der biomechanischen Problematik kann es zu einem Verlust der Mobilität kommen – dies kann bei Neuroskoliosen sogar bis zum Verlust der Sitzfähigkeit führen.

Wer sollte behandeln?

Die Skoliosebehandlung bedarf Erfahrung, um die entsprechenden Schritte, welche bis hin zur Operation führen können, zum entsprechenden Zeitpunkt einleiten zu können. Es empfiehlt sich daher, die chirurgische und konservative Therapie in der Hand von Erfahrenen zu lassen bzw. sollten entsprechende Einheiten eng miteinander zusammen arbeiten, um den Patienten optimal versorgen zu können.

Kontrollen

Generell sollten halbjährlich Kontrollen durchgeführt werden. Kurzfristigere Kontrollen sind im Wachstumsschub nach rund 5 – 6 cm Längenwachstum zu empfehlen.

Bei der Korsettbehandlung wird im Rahmen der Therapie bei diesen Kontrollen ein GWS-Röntgen ap. im Stehen notwendig. Ein seitliches Röntgen wird am Anfang und danach nur bei entsprechender Indikation notwendig, um die Strahlenbelastung möglichst gering zu halten. Funktionsaufnahmen (Bending-Aufnahmen etc) bedürfen sehr strenger Indikationsstellungen und sollten nur vom Behandler veranlasst werden.

Nicht radiologische Verfahren wie z.B. das ISIS System (Integrated Shape Imaging System), Optimetric, Formetric oder dergleichen eignen sich eigentlich nicht zur Verlaufsbeobachtung einer Korsetttherapie.

Behandlungsmöglichkeiten

Dazu zählen physikalische Therapie, Korsettbehandlung und die verschiedenen operativen Möglichkeiten.

Physikalische Therapie

Begonnen werden sollte damit spätestens ab 10 ° nach Cobb und immer bei Beschwerden. Als krankengymnastische Ansätze von Wert sind aktiv redressierende Verfahren, mobilisierende Techniken bzw. neurophysiologische Verfahren zu nennen. Die physikalische Therapie bietet prinzipiell drei Anwendungsbereiche:

  • Aktive Bewegungstherapie +
  • Manuelle Therapie/Heilmassagen +
  • Passive physikalische Anwendungen

Alle drei Bereiche sollen genutzt werden! Aber die Motivation der jungen PatientInnen zu einer langfristigen Übungsbehandlung ist oft schwierig!

Bewegungstherapie + Manuelle Therapie + Massage

Bewusstmachung der Körperhaltung / Fehlform (Röntgen, Spiegel, Rückenfoto, Profilansicht, Video) sowie der Dreidimensionalität.

Gut ist etwa die FELDENKRAIS-Methode als Modell des spielerischen sensomotorischen Lernens („Bewusstheit durch Bewegung“)
zur Verbesserung des Körperschemas.

Schrittweises Erarbeiten der aktiven Korrektur erfolgt in diversen Ausgangsstellungen (RL, SL, BL, Vierfüßler, Sitzen, Stehen). Als Hilfsmittel dienen Spiegel, Sprossenwand, Schlingengerät, Reck.

Erst statisch, dann auch langsam dynamisch üben!

Zusätzlich krankengymnastische Methoden: Stemmübungen nach BRUNKOW, PNF-Methode, Spiraldynamik, Funktionelle Bewegungslehre nach KLEIN – VOGELBACH, Dreidimensionale Skoliosetherapie nach LENNERT – SCHROTH (Neigung – Rotation – Translation und Atmung werden korrigiert).

Als sehr gut haben sich gezielte Wassergymnastik (Therapeutin ist mit PatientIn im Wasser!) und Schwimmtherapie erwiesen.

Thoraxdeformität: Atemtherapie, Packegriffe, Bindegewebsmassage, Manuelle Therapie

Bei Korsettbehandlung sind Bewegungsübungen mit und ohne Korsett – täglich ein einfaches (!) Programm – sinnvoll. Als Sport wäre Lagenschwimmen ideal, zu empfehlen sind etwa Joggen oder Modern Dance (da lernt man „Isolations”, sehr gut für das Bewegungsgefühl). Bei neurogener Skoliose ist die VOJTA-Methode zur Bahnung von korrigierender Reflexaktivität der Rumpfmuskulatur (eher beim Säugling und Kleinkind, wo die aktive Kooperation noch nicht gegeben ist) angezeigt.

Als historische Methode kann das KLAPP’sche Kriechverfahren betrachtet werden.

Welche Methode ist die beste?

Jene, die der Patient am besten versteht und umsetzen kann!

Nicht zu vergessen ist die Erarbeitung der Bewegungskontrolle von Schulter- und Beckengürtel (eine Beinlängendifferenz ist auszugleichen!)

Kombination von Korrekturstellung und Üben in symmetrischen Mustern

Die passive Korrektur soll das Bindegewebe dehnen und die Tonisierung modifizieren. Konkavität: lange gehaltene Dehnlagen (auch Rotation berücksichtigen!), Atemlenkung in die Konkavität (taktile Stimulation durch Therapeutin, bewusstes „Hinatmen“, sog. „Drehwinkel-Atmung“ nach Schroth).

Unterstützung durch manuelle Techniken (z.B. postisometrische Relaxation, Querdehnungen, Bindegewebsmassage)

Konvexseitige Muskulatur: Aktivierung + Kräftigung gegen Widerstand. Medizinische Trainingstherapie mit dem Ziel einer Hypertrophie der Korrekturmuskeln und Verbesserung der statischen Kraftausdauer.

Passiv-physikalische Anwendungen

Tiefenwärme (z.B. Mikrowelle) zur Verbesserung der Bindegewebs-Elastizität und -plastizität. Simultan dazu apparative Traktion (sog. „Extensionsbehandlung“).

Bei Schmerz empfiehlt sich eine biomechanische Schmerz-Analyse und entsprechende physikalische Schmerztherapien wie Thermo-, Kryo-, Elektrotherapie, Ultraschall, Massagen und Reflexzonentherapien (Fußreflexzonentherapie, Akupunktmassage).

Eventuell ist der Einsatz von Schwellstrom und/oder Myo-Biofeedback zum Erlernen selektiver muskulärer Aktivitäten sinnvoll.

Möchten Sie mehr Informationen zu diesem Thema?

Sie finden uns in der Privatklinik Graz Ragnitz. Hier werden Sie von uns kompetent und auf dem neuesten Stand der Wissenschaft betreut. Unser Anliegen ist es, die für Sie optimale Behandlungsweise festzulegen und Sie auf diesem Stück Weg zu begleiten in einer persönlichen und vertrauensvollen Patienten-Arzt-Beziehung!

Quelle: die orthopaeden – Skoliose – Grundlagen & Physiotherapie

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