Das unterschätzte Kreuzdarmbeingelenk


Ein Beitrag von Dr. Florian Hofmann

Wirbelsäulen Orthopädie Salzburg und Tele reha – Ärzte und Therapeuten online

Das Kreuzdarmbeingelenk (Iliosakralgelenk/ISG) ist das Verbindungsglied zwischen Wirbelsäule und Becken. Das wenig bewegliche ISG ist kein gewöhnliches Gelenk und wird oft unterschätzt. Gleit- und Drehbewegungen lässt das straffe Gelenk kaum zu. Es wird durch einen gewaltigen Halteapparat aus Muskeln und Bändern stabilisiert. Das Kreuzdarmbeingelenk ist einer der am stärksten belasteten Teile des knöchernen Skeletts, da es die Rumpflast auf die Beine überträgt. Gleichzeitig federt es, wie ein Stoßdämpfer, die beim Gehen entstehenden Kräfte ab, bevor sie zur Wirbelsäule weitergeleitet werden.

Das Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom) beschreibt einen Erkrankungskomplex, der sämtliche schmerzauslösenden, pathologischen Veränderungen im und um das Gelenk umfasst. Unterschiedliche Prozesse können dazu führen, dass die Bewegung im Gelenk nicht mehr schmerzfrei verläuft.

Betroffene Patienten beschreiben folgende Symptome:

  • einseitiger oder beidseitiger Schmerz im unteren Drittlel des Rückens
  • Schmerzen im Leistenbereich und Unterbauch
  • Hüftschmerzen, die rumpfaufwärts, in den Rücken, ins Gesäß oder in die Beine ausstrahlend
  • Sensibilitätsstörungen in den unteren Extremitäten wie z. B. Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schmerzen bei Positionswechsel, Kribbeln, Schmerzen bei Positionswechsel.
  • Schonhaltung beim Sitzen
  • Bewegungseinschränkung des unteren

Rückens und der Hüfte

  • hexenschussartige Schmerzen mit
  • Ausstrahlung in Beinvorder- und/oder -rückseite

Beginnende ISG-Syndrome führen oftmals nach Belastung zu Beschwerden. Diese können akut und anfallsartig beim Beugen oder Drehen des Oberkörpers, beim Gehen, nach längerem Sitzen oder Liegen auftreten. Vorangeschrittene ISG-Syndrome können aber auch schon in Ruhe zu Problemen und dauerhaften Schmerzen führen. Sowohl das ISG selbst als auch die Strukturen rings um das Gelenk können die Schmerzen verursachen. Funktionelle und anatomische Störungen wie Verschleißerscheinungen, Fehlhaltungen (überwiegend sitzende Tätigkeiten), schweres Heben, Unfälle oder eine Hypermobilität aufgrund eines gelockerten Bandapparats und Übergewicht gehören zu den Ursachen. Degenerative Veränderungen (Arthrose) im ISG sind mit zunehmendem Alter häufig. Durch die krankhaft bedingte Blockierung der Gelenkfunktion werden Gelenkkapseln gereizt und Schmerzrezeptoren aktiviert.

Klinischer Literatur zufolge werden bis zu 30 Prozent der chronischen Kreuzschmerzen durch das ISG verursacht. Bei Patienten nach Versteifungsoperationen im Lumbosakralbereich sind in 43 Prozent der Fälle diese früheren Eingriffe die Ursachen.

Untersuchung

Die Vielzahl der möglichen Symptome erschwert die Diagnostik. Die Abgrenzung von allgemeinen Rückenschmerzen bzw. anderen Krankheiten erfolgt im ersten Schritt. Knochenbrüche, Geschwülste, Infektionen, Nervenschädigungen (z. B. durch Bandscheibenvorfall), psychisch bedingte Rückenschmerzen oder Hüfterkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Eine Patientenbefragung zu Schmerzlokalisation, Beschwerdedauer, sportlicher Überbelastung, früheren Wirbelsäulenoperationen und bisherigen Behandlungen unterstützt die Diagnosestellung.

Bei der körperlichen Untersuchung verwendet der Arzt sogenannte Schmerzprovokationstests. Die unterschiedlichen Tests werden im Stehen und in Bauch bzw. Rückenlage durchgeführt. Sind mindestens drei dieser sechs Tests positiv, spricht dies für ein ISG-Syndrom. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT und MRT eingesetzt werden.

Behandlungsmöglichkeiten – Therapie

Zur sicheren Diagnose führt die ISG-Blockade (ISG-Block). Dabei werden gelenkversorgende Nervenäste gezielt mit Schmerzmittel angespritzt. Tritt nach der Injektion eine deutliche Schmerzreduktion bzw. -freiheit ein, sind diese Nerven als Schmerzverursacher identifiziert. Ist ein ISG-Syndrom diagnostiziert, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.

Hierzu zählen im ersten Schritt das effiziente Dehnen von Hüftbeuger, Gesäß- und Beinmuskulatur, die gezielte physiotherapeutische Mobilisation und osteopathische Therapie, Kräftigen der Rumpfmuskulatur sowie regelmäßiges Durchführen der erlernten Übungen. Als Schmerztherapie helfen am besten entzündungshemmende Medikamente.

Operativer Eingriff

In den Fällen, in denen die Schmerzen durch diese Behandlungen nicht therapiert werden können, muss über einen operativen Eingriff nachgedacht werden. Therapieoptionen am Iliosakralgelenk waren bis vor kurzem geprägt von reinen Verödungen der Schmerzfasern mit nur kurzfristigen Erfolgen. Dabei wurden nur wenige gereizte Nervenäste mit einer durch die Haut eingebrachten Spezial-Kanüle mittels Hitze verödet und stillgelegt.

Eine weitere patientenfreundliche Therapiemöglichkeit ist das spezielle endoskopische ISG Verfahren mit sehr risikoarmen und langfristig effizienten Ergebnissen. Hier werden unter Sicht die schmerzführenden Nervenäste unterbrochen. Diese echt minimal-invasive Methode kann als alleinige Behandlung oder komplementär bei postoperativen Beschwerden angewendet werden.

Ein finaler Schritt wäre die ISG-Fusion mit speziellen Implantaten, sprich die endgültige Versteifung des Iliosakralgelenkes. Letztendlich muss der Wirbelsäulenspezialist entscheiden welches Verfahren im konkreten Fall das Beste ist.

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