Skoliose

Meine Skoliose


„ s k o l i ó s “ bedeutet krumm und stammt aus dem Altgriechischen

Die Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung und Verdrehung der Wirbelsäule, mit Ausbildung des kosmetisch störenden und oft psychisch belastenden Rippenbuckels und Lendenwulstes. Viele Ursachen für diese Erkrankung sind noch unerforscht. Skoliosen treten bei ca. 2 – 3 Prozent der Bevölkerung auf. Laut SOSORT guidelines 2016, benötigen ca. 10 Prozent dieser diagnostizierten Fälle eine konservative Behandlung und bei ca. 0,1-0,3 Prozent der Patienten ist eine operative Korrektur der Deformität erforderlich.


Und genau ich war eine von den 0,1 – 0,3 Prozent, bei der eine operative Korrektur erforderlich war.

Aber zurück zum Anfang …..

Meine Skoliose ist im Alter von ca. sechs Jahren „aufgefallen“. Im Kleinkindalter erkrankte ich an Zöliakie. Durch die regelmäßigen Untersuchungen und Verlaufskontrollen in der Kinderklinik Graz, ist man auf meine Wirbelsäulenerkrankung „Skoliose“ aufmerksam geworden.


Folgende Anzeichen sind Hinweise auf einen Haltungsfehler:

  • Niveauunterschied der Schultern („schiefe“ Schultern),
  • Vorstehen eines Schulterblattes
  • Beckenschiefstand (gekipptes Becken)
  • unterschiedlich aussehende Taillen
  • asymmetrischer Brustkorb
  • Rippenbuckel
  • generell schiefe Körperhaltung

Am häufigsten tritt Skoliose im Jugendalter auf. Mädchen sind dabei häufiger betroffen als Jungen (österr. Burschen).

Skoliosen bereiten meist keine Beschwerden, weshalb die Diagnose einer Skoliose oft spät oder im Rahmen einer kinderfachärztlichen oder einer schulärztlichen Untersuchung gestellt wird.

Ist der Jugendliche angezogen, fallen erst erhebliche Kurven bei der klinischen Untersuchung auf. Die meisten Skoliosen entwickeln sich wie oben erwähnt während des Pubertätsalters, also in einer Zeit, in der man sein Kind seltener unbekleidet sieht. Besser zu erkennen sind Wirbelsäulenverkrümmungen im Bikini oder in Unterwäsche.

Die Krümmung bei der Skoliose kann während des Wachstums eine deutliche Zunahme zeigen. Daher ist eine frühe Erkennung wichtig, um entsprechend dem Ausmaß der Skoliose eine Therapie einleiten zu können. Bei Verdacht auf eine Skoliose sollte unbedingt eine weitere Abklärung durch einen Orthopäden oder Kinderorthopäden erfolgen.


Die Jahre vergingen, die Krümmung meiner Wirbelsäule veränderte sich … Mit ca. 11 Jahren erfolgte die Vorstellung im LKH Graz Kinderklinik/Orthopädische Abteilung. Es fanden Untersuchungen statt und ein Wirbelsäulenröntgen wurde gemacht. Diagnose: Idiopathische thorakale Skoliose, rechts konvex Th5-L1 39°, L1-L5 links konvex 25°


Leicht ausgeprägte Skoliose (unter 20 Grad): In der Regel sind Physiotherapien in Kombination mit den konsequent durchgeführten Kräftigungs- und Mobilisationsübungen des Patienten ausreichend. Bekannte physiotherapeutische Methode zur Skoliosebehandlung ist die Dreidimensionale Skoliosetherapie nach Katharina Schroth.

Das Hauptziel der physiotherapeutischen Behandlung ist die funktionelle Stabilisierung der Krümmung und Verhinderung der weiteren Zunahme während des Wachstums. Bei Kindern ist oft auch eine Gradverbesserung möglich.


Wie ging es weiter….

Skoliosetherapie nach Schroth wurde eingeleitet.

Zweimal wöchentlich musste ich mit meiner Mama nach Graz fahren um die auf mich zugeschnittenen Übungen nach Schroth zu erlernen. Was war das für ein Spaß ……

Natürlich mussten die erlernten Übungen konsequent zu Hause weiter durchgeführt werden. Das hieß, täglich am Nachmittag, nach der Schule TURNEN. Meine Mama musste wirklich viel Motivationsarbeit leisten – Danke Mama 🙂

Da leider die Übungen alleine nicht den erhofften Erfolg brachten, war der nächste Schritt, zusätzlich zur Skoliosetherapie, die Korsettversorgung. Na Bravo was war das nun wieder …..

Der Krümmungswinkel war bei mir nun schon mittel ausgeprägt d.h. Skoliose zwischen 20 bis 50 Grad nach Cobb.


Korsett

Bei Skoliosen ab ca. 20° (nach Cobb) wird zur phyisotherapeutischen Behandlung das Korsett hinzugezogen. In vielen Fällen bringt eine Korsettbehandlung eine Stabilisierung, manchmal gar eine Verbesserung der Krümmung.

Mit dem Korsett werden Krümmungen, Rippenbuckel und Lendenwulst durch Druckzonen korrigiert. Gegenüber Druckzonen befinden sich im Korsett Freiräume, damit der Rumpf auf die andere Seite ausweichen kann.

Ein Korsett ist aber nur dann wirksam, wenn es korrekt angefertigt ist und täglich 23 Stunden getragen wird. Nach Abschluss des Knochenwachstums werden die Tragzeiten Schritt um Schritt reduziert.


Was weiter ….

Für die Korsettanfertigung wurde damals durch den Orthopädietechniker ein Gipsabdruck von meinem Oberkörper gemacht. Dann wurde anhand des Abdruckes mein Korsett angefertigt, angepasst und nach und nach bis zur optimalen Passform korrigiert.

Es folgte ein 10-tägiger stationärer Aufenthalt im LKH Graz Kinderklinik/Orthopädische Abteilung zur Eingewöhnung des Korsetts. Von Tag zu Tag wurde die Tragezeit erhöht bis ich nach 10 Tagen das Korsett 23 Stunden in einem durchtragen konnte. Die Zahl 23 soll aufzeigen, dass das Korsett eigentlich wie eine zweite Haut ist und nur zum Duschen und für den Sport ausgezogen werden soll. Je häufiger man es trägt, desto selbstverständlicher gehört es einfach dazu und wird nicht mehr als „Feind“ sondern als „geduldeter Freund“ betrachtet.

Da sich die Skoliose meist in der Pubertät entwickelt, also in der Zeit, wo man die Unabhängigkeit entdeckt, anfängt auf Partys zu gehen, verletzlich ist, der Körper sich verändert, man anfängt sich für Mode zu interessieren, war es für mich wahrlich nicht immer einfach.

Dazu kam, dass das Korsett immer wieder neu eingestellt und angepasst werden musste und das war mitunter sehr schmerzhaft. Beim Tragen wurde ich in der Schulzeit oft gehänselt, fühlte mich durch Blicke unwohl und versuchte das Korsett unter weiter Kleidung zu verstecken. Gerade im Sommer war es schwierig das Korsett unter dem T-Shirt oder Kleid zu verstecken.

Leider brachte auch die Korsettversorgung + Skoliosetherapie nach Schroth nicht wirklich einen Erfolg. Zwischen dem 17. und 18. Lebensjahr wurde das Korsett langsam wieder abgeschult. Physiotherapie und Skoliosetherapie mussten natürlich regelmäßig weitergeführt werden.

Nach der Schwangerschaft wurde die Krümmung meiner Wirbelsäule immer schlimmer. Es zeigte sich im Röntgen eine thoracale Krümmung von Th8 auf L2 von 58 Grad, eine hochthoracale Krümmung von Th1 auf Th6 von 40 Grad, rechts entwickelte sich ein deutlicher Rippenbuckel von ca. 3,5 cm.


Schwer ausgeprägte Skoliose:  über 50 Grad nach Cobb. Bei ausbleibendem Therapieerfolg durch Korsett und/oder Physiotherapie bzw. einer stark ausgeprägten Skoliose ist eine Operation meist unumgänglich.


Ich hatte keine Schmerzen aber ich fühlte mich in meinem Körper einfach nicht mehr wohl.

Durch meine Schwester lernte ich ein junges Mädchen kennen. Sie wurde in Innsbruck Skoliose operiert.

Sie erzählte mir ihre Geschichte und empfahl mir die Orthopädie im Klinikum Innsbruck. Ich dachte mir…. Fragen kostet nichts, vielleicht können die Ärzte mir dort weiterhelfen. Ich wurde im Klinikum Innsbruck/Orthopädie vorstellig. Der Arzt dort erklärte mir bis ins kleinste Detail die unterschiedlichsten Möglichkeiten einer Skoliosebehandlung. Auch die Risiken die mit einer Operation verbunden sind.

Für mich gab es, um eine Besserung zu bewirken nur mehr die Operation. Damals war ich 27 Jahre, meine Tochter 6 Jahre. Ich bekam Bedenkzeit – OP ja/nein…..

Mir schwirrten so viele Dinge im Kopf herum …. Geht die OP gut aus? Meine Tochter fängt zum Schule gehen an. Wer hilft mir nach der Operation zu Haus? Der Haushalt, die Arbeitsstelle, usw…….

Es war kein einfacher Schritt für mich aber ich willigte der Operation ein und ließ mich am 10. November 2003 im Klinikum Innsbruck operieren.

Versteifung Th2 – L3 + Rippenbuckelresektion rechts.

Die Operation ist sehr gut verlaufen und das Ergebnis war einfach Top. Vierzehn Tage stationärer Aufenthalt im Klinikum Innsbruck. Ich kam mir anfangs vor wie ein steifes Brett oder besser gesagt wie ein Käfer der am Rücken liegt und sich ohne Hilfe nicht aufrichten konnte. Die ersten Wochen benötigte ich Hilfe beim Aufsitzen, Aufstehen, Hinlegen, Begleitung beim Gehen, Stiegen steigen, Körperpflege, … einfach fast überall…..

Zu Hause war das Ganze dann noch um eine Spur beschwerlicher als im Krankenhaus. Ich benötigte die ersten Monate Unterstützung im Haushalt, beim Anziehen, Körperpflege, ich konnte aufgrund der Versteifung nicht einmal in mein Auto einsteigen. Auch das Schwimmen war anfangs nicht so einfach. Aber ich hatte nur einen Gedanken „Nicht unterkriegen lassen, sondern kämpfen“.

10 Jahre postoperativ ging es mir wirklich sehr gut. Naja ab und zu ein Zwicken dort ein Zwicken da…. klar hat man auch schlechte Tage wo man sich Besseres wünscht aber ich kam im Allgemeinen gut zurecht.

2013 bekam ich zunehmend, wirklich von einem Tag auf den anderen LWS Beschwerden.

Aufgrund der Versteifung tue ich mir generell etwas schwerer Hosen, Socken und Schuhe anzuziehen aber durch diese LWS Beschwerden war ich wirklich auf Hilfe angewiesen. So suchte ich als erstes meinen Hausarzt und in weiterer Folge einen Orthopäden auf. Der Facharzt war mit meiner Situation leicht überfordert. Anscheinend bin ich mit meiner operierten Skoliose ein Einzelfall in der Steiermark 😀 So ist es mir damals jedenfalls vorgekommen. Physiotherapie (Massage, Traktion LWS und Elektrotherapie) wurde eingeleitet, sowie Infiltrationen und Infusionen wurden verabreicht. Leider verbesserten sich die Beschwerden nur mäßig.

Was nun weiter …..?????

Da mir keine weiteren Behandlungsmöglichkeiten vorgeschlagen wurden, nahm ich Kontakt mit dem LKH Stolzalpe/Wirbelsäulenambulanz auf.

Diagnose: Degenerative Veränderungen L4-S1

Therapieempfehlung: Stationäre multimodale Schmerztherapie am LKH Stolzalpe. Therapie vor OP! Dieser Aufenthalt (10 Tage) hat mir sehr geholfen.

Nach ein paar Jahren fingen die Beschwerden wieder an. Es folgten wieder Therapien, Infiltrationen, die Ärzte wurden immer ratloser. Mein Orthopäde war am Ende seines Lateins.

Aufgrund meines Auftretens/Aussehens glauben mir bis heute oft Ärzte nicht das ich wirklich Schmerzen habe. Wenn man sich für sein Aussehen fast entschuldigen muss….

Ich möchte einfach nur, dass man mich mit meinen Schmerzen ernst nimmt und mir medizinisch sowie therapeutisch geholfen wird. Einige Orthopäden wollten es einfach abtun …. „Das ist sicher psychisch….“

Ich wechselte wieder den Facharzt und siehe da, es gibt doch noch Orthopäden die einen ernst nehmen, zuhören und überlegen welche Behandlungsmöglichkeiten es noch für mich gebe.

Aufgrundessen das die ganzen Therapien keinen Erfolg brachten wurde eine Operation empfohlen.

Folgeoperation aufgrund degenerativen Veränderungen L5/S1 am LKH Stolzalpe 2017.

Mittlerweile ist mein versteifter Rücken ganz selbstverständlich ein Teil von mir und ich habe gelernt damit zu leben. Klar hab ich auch des Öfteren Schmerzen…

Jammern gehört Trotz allem nicht zu meinen Stärken. Durch das Jammern werden meine Schmerzen nicht weniger. Ich sage mir: Das tut meiner Seele und meinem Aussehen nicht gut. Regelmäßige Bewegung so gut es für mich möglich ist, ist für mich sehr wichtig und gesunde Ernährung.

Meine Skoliose hat mich gelehrt, mich selbst und mein eigenes Leben wertzuschätzen.

Mit Skoliose Netzwerk Österreich versuche ich, andere durch meine Erfahrungen zu ermutigen, und ich würde jedem zu dieser Operation raten, auch wenn die Entscheidung gut durchdacht sein sollte, denn sie gilt für´s ganze Leben.

Alles Liebe und bleiben Sie Gesund! Daniela Hohenwarter

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